Die Vita von John Dowland

Inhalt dieser Seite:
  • 1563 - Geburt
  • 1580 - Dowland in Frankreich
  • 1583/84 - Zurück in England
  • 1594 - Die erste Bewerbung
  • 1597 - im Dienste von Christian IV
  • 1606 - Neue (schwere) Zeiten
  • Das Ende einer Ära
  • John Dowland wurde im Jahre 1563 geboren. Diese Angabe gibt Dowland selbst an zwei Stellen.
    In seinem Vorwort zu A Pilgrimes Solace (1612) sagt er: "..being I am now entered into the fiftieth yeare of mine age".
    An anderer Stelle (Varietie of Lute-Lessons) sagt er: "...for myself was borne but thirty years after Hans Gerle's book was printed." Gemeint war Gerles Tabulatur auff die Laudten, welches 1533 gedruckt wurde.1
    Der Geburtsort dagegen ist nicht eindeutig bekannt. Zwar weisen einige Kirchenbücher Londons den Namen Dowland im 16. Jh. auf, jedoch ist es unmöglich eine genaue Verbindung dieser Familien zu John Dowland herzustellen.
    Der in einigen Quellen genannte Geburtsort in der Nähe Dublins (Irland)2 dagegen kann als gewiss falsch betrachtet werden, da der erste Vertreter dieser Behauptung (Dr. Grattan Flood) im Jahre 1906 u.a. das Geburtsjahr Dowlands mit 1562 angibt. Der Vater sei ein gewisser John Dowlan gewesen, der in Dalkey gelebt hat. Der Familienname geht jedoch auf den Namen Dowling zurück. Zwar mögen beide Namen der selben Sprachwurzel entstanden sein, aber der Name Dowling entwickelte sich nachweislich in unterschiedlichen Familien.3
    Dass John Dowland Engländer war und nicht Ire, wird ebenfalls deutlich, wenn Dowland in einem Brief an Sir Robert Cecil 1595 von sich selbst schreibt: "...born under her highness...". Ein Ire hätte diesen Satz vermutlich nicht Ende des 16.Jh. von sich gegeben, bedenkt man die starke Unterdrückung Irlands durch das Englische Königreich. 

    • 1580 - Dowland in Frankreich

    Über Dowlands Kindheit sowie elterlicher Herkunft ist nichts bekannt. Da jedoch Dowland selber nie darüber berichtet hat, vermutet man, dass er eine Abstammung aus einfacher Klasse (evtl. Handwerker-Familie) verschweigen wollte, als er bereits in höheren Kreisen am Hofe verkehrte.
    Die ersten Aufzeichnungen über Dowland beginnen erst im Jahr 1580, als er im Alter von 17 Jahren als 'servant' nach Paris zu Sir Henry Cobham, dem Botschafter des Königs von Frankreich reist, um die "geistreiche Profession der Musik" zu erlernen.4
    Sir Henry Cobham Während der Zeit in Paris konvertiert Dowland zum Katholizismus, einem folgenreichen Fehler, wie Dowland später selbst konstatiert. 

    • 1583/84 - Zurück in England

    Nach drei oder vier Jahren Aufenthalt in Paris kehrt Dowland wieder nach England (London) zurück (1583/84). (Dowlands Angaben zu dieser Zeit sind unterschiedlich zu interpretieren, daher kann keine genaue Dauer angegeben werden.
    Zwei Jahre später heiratet Dowland seine Frau, über die nichts weiter bekannt ist. Welche Rolle sie im Leben Dowlands spielte ist ebenso ungewiss. Gewiss ist nur, dass sie ihn auf keinen seiner Reisen begleitet hat, auch nicht auf der nach Dänemark, auf die im weiteren Verlauf noch eingegangen wird.
    Im selben Jahr (1586) wird vermutlich sein Sohn Robert geboren.
    Über die sicher vorhandenen weiteren Kinder Dowlands ist nichts bekannt.
    Am 8. Juli 1588 erhält Dowland zusammen mit Thomas Morley den Grad des Baccalaureus Musicus an der Christ Church Universität Oxford. Später erhält er zudem noch denselben Titel an der Universität Cambridge. Dowland ist damit der einzige, dem dieser Titel bis dato an beiden Universitäten vergeben worden ist.
    Das erste öffentliche Auftreten Dowlands als Musiker ist im Jahr 1590 zu datieren, als Dowland am 17. November zur "Thanksgiving" Feier am Hofe der Königin spielt.
    Der zweite belegbare Auftritt findet 1592 im Schloss Sudeley statt, in dem die Königin zu Besuch des Lord of Cahndos, Giles Bridges, war. Dowland spielt anlässlich eines Theaterstückes das Lied "My heart and tongue were twinnes". 

    • 1594 - Die erste Bewerbung

    Nach dem Tod von John Johnson, einem der Hoflautenisten der Königin bewirbt sich Dowland 1594 vergeblich um den vakanten Posten. Dowland macht seine katholische Konfessionszugehörigkeit verantwortlich für die Ablehnung.
    Er beschließ daraufhin einige Auslandsreisen zu unternehmen, um u.a. Luca Marenzio in Rom zu treffen.
    Zuvor nimmt er jedoch für kurze Zeit einen Posten am Hofe in Wolfenbüttel bei Heinrich Julius an, um danach zu Moritz, Landgraf von Hessen zu reisen.
    Moritz Landgraf von Hessen Im Jahr 1595 nimmt Dowland die lange und beschwerliche Reise per Pferdewagen über die Alpen auf sich nach Italien. Seine erste Station ist Venedig. Weiterhin besucht er Padua, Genua, Ferrara und Florenz, wo er Giulio Caccini trifft.
    Nachdem einige im Exil lebende englische Katholiken versuchten John Dowland für einen Putschversuch der englischen Königin zu gewinnen, verwarf Dowland den Plan Luca Marenzio in Rom zu besuchen und reiste bestürzt und umgehend aus Italien ab.5
    Er kehrt zunächst wieder zum Hof von Moritz, Landgraf von Hessen zurück und verweilt dort bis zum Ende des Jahres 1596. 

    • 1597 - im Dienste von Christian IV

    1597 erscheint Dowlands First Booke of Songs, und im Jahr darauf am 18. November erhält er den hoch bezahlten und hoch angesehenen Posten als Hoflautenist Königs Christian IV von Dänemark.
    Christian IV, König von Dänemark Mit einem Lohn von 500 Talern pro Jahr wird John Dowland zu einem der höchstbezahltesten Musiker der Zeit.
    Zwar galt Christian IV als musikbegeisterter und tüchtiger Herrscher, der in Kopenhagen etliche Paläste bauen ließ, seine ausschweifenden Alkoholexzesse schienen aber nicht nur Dowland Unbehagen zu bereiten.6
    Dowland verfasst in Dänemark "The Second Booke of Songs", dessen Manuskript er mit dem 01. Juni 1600 datiert.
    1601 reist Dowland für etwa ein Jahr nach England, um "einige Instrumente in England zu kaufen".7
    1603 erscheint Dowlands Third and Last Booke of Songs, dessen Manuskript am 21. Februar in England eintrifft. Stücke wie Time stands still with gazing on her face oder Say loue if euer thou didst finde sind Komplimente an die Königin Englands, und zeugen von dem ungebrochenen Willen Dowlands immer noch Lautenist am Englischen Königshof zu werden.
    Kurz darauf, am 24. März stirbt jedoch Elisabeth und Dowlands Wunsch in ihren Diensten zu stehen wird endgültig unerfüllt bleiben. England wurde im Jahr 1603 nicht nur durch den Tod der Elisabeths erschüttert, sondern durch tausende Tote durch die Pest. Elisabeth I, Königin von England Allein in einer Augustwoche verzeichnen die Sterbelisten 3035 Todesfälle. In diesem Jahr starb ein Sechstel der gesamten Bevölkerung Englands an der Pest.8
    1603 brach Dowland erneut nach England auf und vollendete sein Lachrimae or Seven Teares, das er der Königin Anne, Schwester von Christian IV, widmete.
    Aufgrund schlechten Wetters wurde die geplante Rückreise nach Dänemark im Winter 1603 abgebrochen, so dass Dowland vermutlich erst nach Erscheinen von Lachrimae (am 2. April 1604) wieder in Dänemark eintraf.
    Dort angekommen begannen ernste Probleme sichtbar zu werden. Dowland hatte viele Schulden, die Gehaltszahlungen, die in den Jahren zuvor sogar schon im Voraus bezahlt wurden wiesen nun einige Lücken auf. Vermutlich war Christian IV aufgrund der langen Auslandsaufenthalte Dowlands verärgert und strafte ihn mit dieser Maßnahme. 1606 wird Dowland schließlich vorzeitig gekündigt und kehrt wieder nach England zurück. 

    • 1606 - Neue (schwere) Zeiten

    Obwohl die Familie Dowland in ihrem Haus in der Fetter Lane in London einen hohen Wohnstandard lebte, konnte John Dowland die Gehälter, die er in Dänemark bekam, nicht annähernd erreichen. Die verloren gegangenen Geschenke des Landgrafen von Hessen, sowie die vielen Schulden zeugen davon, dass das Geld Dowlands schneller ausgegeben wurde, als er es verdienen konnte.
    Die ersten Jahre des 17. Jh. trugen viele musikalische Veränderungen mit sich, die auch Dowland spürte. Dowland beklagte sich in den Jahren ab 1605 wiederholt über die "ungelernten" Musiker, sowie die jungen Professoren, die seine Musik als veraltet ansahen.
    Besonders der langjährige Streit mit Tobias Hume, der die Viola da Gamba als das besser geeignete Instrument im Zusammenspiel mit dem Gesang ansah, zeigt den Wandel der Zeit.
    Auch im Jahr 1612, als Dowland mit A Pilgrimes Solace sein letztes Werk veröffentlicht, ebbt der Streit mit Hume nicht ab.
    Obwohl der nationale als auch internationale Erfolg Dowlands als bester Lautenkomponist seiner Zeit unbestreitbar ist, scheint sich der Ärger über den versagten Posten am Englischen Hof bei Dowland als Trauma weiter durch sein Leben zu ziehen. Die Unzufriedenheit und Bitterkeit überwiegt bei dem sensiblen Meister, der die Ungerechtigkeiten u.a. darin sieht, dass unbegabtere Lautenisten seinen erwünschten Posten innehaben.9
    Diana Poulton beschreibt das Temperament Dowlands als ein komplexes, voller Gegensätze. Er sei extrem egozentrisch und emotional, mit einer gerechten Würdigung seiner Fähigkeiten, aber einer nahezu kindlich überreizten Reaktion auf Kritik. Dowland neigte von Zeit zu Zeit zu Attacken von Melancholie. Er war ein Mann mit großem Ehrgeiz, der aber wie Peacham sagt "viele Gelegenheiten verstreichen ließ um sein Glück zu erhöhen."10
    Das schwermütige Gefühl voller Melancholie war jedoch kein Dowland-spezifisches Phänomen. Näheres hierzu findet sich in der Rubrik "Zeit" auf dieser Seite.
    Man mag sich die Frage stellen, ob traurig schöne oder Selbstmitleid-volle Meisterwerke wie Lachrimae, Semper Dowland, semper Dolens, Farwell oder Melancholy Galliard erschienen wären, wenn Dowland den Posten des Hoflautenisten bei der Königin 1594 erhalten hätte, und ob Dowland in diesem Falle seine Zufriedenheit erlangt hätte. 

    • Das Ende einer Ära

    Das letzte, bereits erwähnte Werk Dowlands (A Pilgrimes Solace) war unzweifelhaft ein Zeichen für die schwindende Kreativität Dowlands. Obschon alle Stücke von hoher Qualität sind, sind viele nicht neu, sondern teilweise schon zwanzig Jahre alt.
    Und obwohl Dowland im selben Jahr (1612) letztendlich doch noch die ersehnte Anstellung am Englischen Hofe bekam, ist es fraglich, ob Dowland seinen persönlichen Erfolg fand.
    Die letzten 14 Jahre bis zu seinem Tod verliefen jedenfalls sehr ruhig - Dowland wird kaum noch erwähnt. Der letzte öffentliche Eintrag über ihn datiert vom 1. Mai 1625, als Dowland auf der Beerdigung von James I. spielt.
    John Dowland stirbt am 26. April 1626 und wird in St. Anne, Blackfriars beerdigt. 




    1) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New and revised Edition, London 1982, S. 21.

    2) Vgl. Musik in Geschichte und Gegenwart. Erste Auflage, Berlin 1949-1986.

    3) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New and revised Edition, London 1982, S. 21f.

    4) "the ingenuous profession of Musicke, which from my childhood I haue euer aymed..." - John Dowland in: "The First Booke of Songes".

    5) Nachzulesen in einem Brief Dowlands an Robert Cecil, 1595 in: Marquess of Salisbury´s Papers, Vol.17.

    6) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New and revised Edition, London 1982, S. 53.

    7) D. Kanc. Sjaell Tegn, 1596 - 1604 (XIX)

    8) Wilson, F.P.: The Plague in Shakespeare´s London. Oxford 1963.

    9) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New and revised Edition, London 1982, S. 76.

    10) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New and revised Edition, London 1982, S. 43.