Die Lautentechnik John Dowlands

Hans Holbein

Inhalt dieser Seite:
  • Ein kleiner Überblick
  • Dowlands Lautentechnik
  • Die Laute
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    Die Laute der Renaissance hat ihre Form und Charakteristika gegen Ende des 14. und Anfang des 15. Jh. erhalten. Ab diesem Zeitraum wandelte sich die Laute von der mittelalterlichen Laute ab. Seit jener Zeit ist der Hals vom Körper scharf abgesetzt, und statt der früheren zwei Schallöcher hat die Laute nur noch ein Schalloch. Weiterhin ist der Lautenkragen rechtwinklig umgeknickt.
    Der Lautenbau konzentrierte sich am Anfang des 15. Jh. vorwiegend in Norditalien und Süddeutschland. Besonders hervorzuheben ist Lucas Maler aus Bologna, der der Laute erstmals die bis heute übliche Birnenform gab. Ein weitere wichtiger italienischer Lautenbauer ist der Venezianer Marx Unverdorben. Die wichtigsten deutschen Lautenbauer waren die Nürnberger Heinrich Helt, Conrad Gerle, sowie der Augsburger Hans Meisinger.
    Die Anzahl der Chöre vergrößerte sich im Laufe der Jahrhunderte stetig.
    Im 15. Jh. zählte die Laute zunächst 5 Chöre in der Stimmung: G-c-f-a-d (Ramis de Pareia: Musica practica 1482).
    Der deutsche Praktiker und Theoretiker Sebastian Virdung nennt in seinem Musica getutscht 1511 6 Chöhre in der Stimmung A-d-g-h-e'-a'. Diese Stimmung war insbesondere die in Deutschland gebräuchliche Lautenstimmung.
    Martin Agricola nennt 1529 in seinem Musica instrumentalis deutsch die Stimmung G-c-f-a-d'-g', welche vorwiegend in den romanischen Ländern benutzt wurde.1
    Es folgten mit der Zeit weitere Chöre, die den Bassbereich verstärkten.
    Die Anzahl der Bünde betrug bis zum 16. Jh. meist nicht mehr als 7-8. Sebastian Virdung sagt:"gemainlich siben", Hans Gerle nennt ebenfalls 7, Hans Neusiedler, Sebastian Ochsenkhun und Hans Judenkunig nennen 8.2 

    • Dowlands Lautentechnik

    In seiner Übersetzung von Jean-Baptiste Besards Necessarie observations belonging to the Lute and Lute playing aus dem Jahr 1610 gibt John Dowland einige interessante Hinweise über das Lautenspiel.
    Neben einem allgemeinen Teil gibt es sehr spezisfische Tipps und Hinweise zum richtigen Lautenspiel und seiner Technik. Unter anderem wird vorgeschlagen beim Kauf einer Laute auf die richtige Größe des Instrumentes zu achten. Sie sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Für Anfänger jedoch kann es von Vorteil sein eine etwas größere Laute zu kaufen, damit das Spreitzen der Finger trainiert wird.3
    Die Übungen für den Anfänger sollten sehr einfach beginnen und sich dem Können des Spielers mit der Zeit steigern. Es sei besser ein Stück perfekt zu beherrschen, als eine Menge Stücke halbwegs korrekt zu spielen.
    Große Beachtung wird auf die Beherrschung und das Gefühl für den Kontrapunkt gelegt. Demnach sind alle Töne der linken Hand solange zu halten, bis der nächste Ton erklingt. Ein sofortiges Stoppen der Töne ist nicht erwünscht.
    Eine sehr beliebte Technik im Lautenspiel waren zweifelsohne die vielen Verzierungen, welche jedoch nicht notiert werden.
    Dowland, bzw. Besardus fassen dieses Thema so zusammen, dass man sich als Anfänger zunächst die verschiedenen Praktiken einiger professioneller Lautenisten anhören und kopieren solle um später ein eigenes Gefühl für die Verwendung von Verzierungen entwickeln zu können.

    Das Spiel der rechten Hand hat in der Mitte des 16. Jh. eine Wende vollzogen. Während früher die Haltung des Daumens in der Innenseite der Hand Usus war ("einwertz" laut Johann Stobaeus), spielte Dowland zumindest am Ende seiner Schaffenszeit "auswertz" (den Daumen aussen der Hand haltend, so wie er bzw. Besardus es auch in seinen observations... angibt. Laut Stobaeus klingt die "auswertz"-Technik reiner, schärfer, und heller.4 

    • Die Laute

    Entgegen der besonders in England üblichen Oktav-Stimmung des 6. Chores weist Dowland in seinen observations... darauf hin, dass der G-Chor unisono zu stimmen sei.
    John Dowlands frühesten Werke sind aller Wahrscheinlichkeit für eine sechschörige Laute geschrieben worden.
    Die drei Song-Books aus den Jahren 1597, 1600 und 1603 sind für eine siebenchöhrige Laute geschrieben worden. Der 7. Chor war auf D gestimmt.
    Das Lachrimæ aus dem Jahr 1604 war dagegen für eine neunchörige Laute geschrieben. Der neunte Chor war auf C gestimmt, der siebte und achte Chor wurden variabel gehandhabt.
    Die Stücke aus A Pilgrimes Solace waren allesamt für eine achtchörige Laute geschrieben.

    Nachfolgend sieht man die Abbildung des Griffbrettes einer siebenchörigen Laute in der G-Stimmung. Zu beachten ist, dass die absolute Tonhöhe von Instrument zu Instrument unterschiedlich war. Es war üblich die Chanterelle (Treble/Quint-Saite) bis kurz vor ihrer Reissgrenze zu stimmen und die restlichen Chöre dementsprechend darauf anzupassen. 
    Griffbrett der Laute




    1) Vgl. Bruger, Hans Dagobert: Schule des Lautenspiels. Wolfenbüttel 1926, S. 17.

    2) Körte, Hans: Laute und Lautenmusik bis zur Mitte des 16. Jh. Wiesebaden 1974, S. 44.

    3) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. London 1982, S. 389.

    4) Vgl. Poulton, Diana: John Dowland. New an revised Edition, London 1982, S. 77.