CDs

Hier stelle ich interessante CD-Einspielungen von Dowlands Musik vor.

Blame Not My Lute  ·  Ronn McFarlane, Robert Aubry Davis
CD
Dorian, 2010

Das amerikanische Label Dorian schickt auf dieser CD ihren Haus-Lautenisten Ronn McFarlane ins Rennen, der hier elisabethanische Lautenmusik (vorwiegend die von Dowland) spielt. Zwischen den Liedern spricht Robert Aubry Davis Gedichte und andere Texte der Zeit (u.a. von Thomas Wyatt, William Shakespeare, Samuel Daniel, Thomas Campion und Sir John Davies).
Diese Mischung funktioniert ganz fantastisch, einige der gesprochenen Texte erklingen zusammen mit der Laute, was eine lockere, nicht akademische Stimmung vermittelt. Eine interessante Einspielung für alle, die nicht nur Freude an der Musik, sondern auch der Literatur der elisabethanischen Zeit haben.
In Darkness Let Me Dwell  ·  John Potter, Stephen Stubbs, John Surman, Maya Homburger, Barry Guy
CD
ECM Records, 1999

Auch wenn diese CD schon einige Jahre auf dem Buckel hat, habe ich sie erst vor einigen Wochen dank eines Lesers meiner Seite entdeckt.
Der Tenor John Potter, Mitglied des Hilliard Ensemble, schart auf dieser Einspielung ein interessantes Ensemble um sich. Neben Stephen Stubbs an der Laute, ist besonders John Surman zu nennen, der mit Sopran-Saxophon und Bass-Klarinette fü ungewöhnliche Klänge sorgt, sowie Barry Guy, der auf seinem Kontrabass für abgrundtiefe Bassfundamente sorgt.
Der Titel der CD gibt sehr stark die Richtung an, die man bei dieser Interpretation Dowlands vorgibt. Es sind die dunklen, melancholischen Seiten Dowlands, die hier zu hören, ja geradezu zu fühlen sind (Stichwort Kontrabass). So flirren z.B. die Streicher bedrohliche Flageoletts im Hintergrund des Titelstückes "In Darkness let me dwell". Die tiefe Bass-Klarinette nimmt den düsteren Klang perfekt auf und spielt sich sehr schwermütig in den Vordergrund. Einzig die Laute von Stephen Stubbs scheint in diesem Ensemble hartnäckig den konventionellen Teil des Continuos zu übernehmen. John Potter nimmt sich angenehm zurück auf dieser Aufnahme. Im Vordergrund steht ganz klar der Gesamtklang und die Gesamtstimmung. Kein Vibrato, sehr häufiges Ab- und Anschwellen des Tones, keine übertriebenen Affekte in der Stimme. Das mag perfekt in das Konzept der CD passen, einige Hörer mögen diese Interpretation vielleicht als ein wenig zu viel der Schwermut empfinden.
In "Lachrimae Tristes" verschmilzt das Saxophon wunderbar mit dem Rest der Instrumente verschmilzt, so als hätte man es immer schon so gehört.
Der Kontrabass entführt uns in Lachrimae Amantis scheinbar in die tiefsten Abgründe der Seele, Potter übernimmt mit seiner Stimme fantastisch eine der Instrumentalstimmen.
Nie war Dowland düsterer, erdrückender und trauriger als auf dieser Einspielung.
John Dowland - Die komplette LAUTENMUSIK  ·  Nigel North
Box-Set, 4 CDs.
NAXOS 2009

NAXOS hat Ende 2009 die von Nigel North eingespielten Lautenwerke (Vol. 1-4) in einer Box zusammengefasst und unter dem Titel "Die komplette Lautenmusik" veröffentlicht. Nigel North ist neben Paul O' Dette der vielleicht bekannteste Lautenist für Renaissancemusik. Der gebürtige Londoner, der u.a. mehrere Jahre Professor an der Hochschule der Künste in Berlin lehrte, verleiht den Kompositionen Dowlands eine lebendige Frische. Sein Lautenspiel ist direkter, weniger dynamisch als das von Paul O' Dette, aber deshalb nicht weniger gefühlvoll. Die Aufnahmen schaffen durch einen dezenteren Halleinsatz als bei der O'Dette Einspielung mehr Nähe zum Hörer. North stellt im Booklet alle Titel kurz vor, an den Umfang der Harmonia Mundi Edition reichen die Texte jedoch nicht heran. Das ist beim NAXOS-Preis jedoch auch nicht verwunderlich. Für knapp 16 EUR kann und darf man kein dickes Begleitbuch erwarten. Dennoch ist diese Edition absolut empfehlenswert, auch wenn man schon Besitzer der Paul O' Dette Einspielung ist, nicht nur aufgrund des unschlagbaren Preises.
Kauftipp!
John Dowland - Complete Lute Works  ·  Paul O' Dette
Box-Set, 5 Discs. 5h 33min.
Harmonia Mundi 1997

Das gesamte Solo Lautenwerk von Dowland, eingespielt von Paul O'Dette. Dieses Box-Set kann getrost als Referenz gelten, O'Dette vermag wie kein anderer den Ton für die Renaissance und die Musik Dowlands zu treffen. Das umfassende Booklet (viersprachig, 150 Seiten) liefert neben vielen Illustrationen zudem wertvolle Informationen.
Dieses Box-Set sollte in keiner Dowland-Sammlung fehlen.
Sting - Songs from the Labyrinth  ·  Sting, Edin Karamazov
1 Disc. 48:26 min.
Deutsche Grammophon 2006

Keine andere Dowland Einspielung dürfte es wohl jemals so hoch in die Charts schaffen wie die von Sting. Natürlich kann und will Sting keinen Anspruch auf Korrektheit bezüglich musikalischer Aufführungspraxis erheben. Seine hauchige Stimme ist im Jazz sicher besser aufgehoben als in der Renaissance. Die digitalen Stimmverdopplungen bei den mehrstimmigen Stücken erinnern an alte Queen Alben, die verwendeten Hallräume reichen von sehr trocken bis hin zum übertriebenen Kölner Dom Hall für die Lautensoli. Karamazov versucht seinen Lautenstücken durch Flageoletts und sehr abgehacktes und perkussives Spiel am Steg Abwechslung zu verleihen. Ob er damit den Stücken neuen Glanz verleiht ist fraglich. Alles in allem ein sehr laut und poppig produziertes Album, das in der Gunst der Hörer sehr stark polarisiert.
John Dowland - Lachrimae or Seaven Teares  ·  Hesperion XX, Jordi Savall
1 Disc. 71:26 min.
Naive 2000

Enthalten sind alle 21 Stücke des Lachrimae Werkes. Eingespielt wurde die CD mit 5 Violen plus Laute im Jahre 1988. Naive hat die CD im Jahr 2000 neu aufgelegt.
John Dowland - The Collected Works  ·  The Consort of Musicke, Anthony Rooley
11 Discs. 883 min.
L'Oiseau-Lyre 1997

Diese Sammelbox mit 11 CDs enthält neben den bekannten Song-Books und Solo Lautenstücken unter anderem auch eine Reihe von Bearbeitungen für Tasteninstrumente anderer Komponisten. Unter den Interpreten sind Namen wie Emma Kirkby, oder Jakob Lindberg (Laute) zu finden. Die Solo Lautenstücke erreichen zwar nicht die Qualität der O'Dette Einspielung, dennoch bietet diese CD Sammlung einen umfassenden Überblick über das Werk John Dowlands.
Dowland - Consort Music and Songs  ·  Rose Consort of Viols
1 Disc. 70:54 min.
Naxos 1997

Naxos bietet diese interessante Einspielung zum bekannt unschlagbaren Niedrigpreis an. Zu hören ist das Rose Consort of Viols zusammen mit Jacob Heringman an der Laute mit dem Lachrimae Werk (ohne die sieben Lachrimae Pavanen). Daneben sind zwei Lautenfantasien enthalten, sowie sechs Songs für Laute und Sopran (Catherine King).
Dowland - First Booke of Songs  ·  Rogers Covey-Crump, Jakob Lindberg
1 Disc. 75:37 min.
BIS 1990

Leider ist dies das einzige Song-Book, das beim schwedischen BIS Label erschienen ist. Die Reihenfolge der Titel entspricht nicht dem Original von Dowland. Warum Interpreten immer wieder ihre eigenen Reihenfolgen wählen ist mir ein Rätsel. Aufnahmetechnisch wird leider ein recht steriler Hall verwendet, welcher der Musik viel Wärme entzieht. Rogers Corvey-Crump versucht spürbar sich zurückzuhalten auf dieser CD, kann sein Vibrato dennoch nicht immer unterdrücken.